Kyusho entwickelt erst sein volles Potenzial, wenn Du beginnst die vielen verschiedenen Vitalpunkte in Beziehung zueinander zu setzen. Eine Möglichkeit hierzu bietet das Prinzip der Meridiane. Greife also Punkte auf demselben Meridian an, damit diese dich gegenseitig ergänzen.

Das wahre Geheimnis von Kyusho lautet Beziehung

Einzelne Punkte herauszupicken, ist leicht. Hier ist ein Punkt und dort drüben ein weiterer. Wenn ich hier drücke, tut es weh und dann schlage ich noch hier. Ja, das tut dann auch weh!

Dieser isolierte Blick verliert jedoch das große Ganze aus den Augen. Das wahre Geheimnis im Kyusho liegt in der Nutzung mehrerer Punkte und wie sie einander beeinflussen. 

Ein doch recht gängiger Ausdruck besagt, „ein Punkt erzeugt Schmerz, zwei Punkte erzeugt Schmerz in der Mitte der Punkte, drei Punkte erzeugen einen KO“.

TCM als Brille des in Beziehung setzens

Wie so häufig haben wir die Möglichkeit mit zwei Brillen auf unsere Kyusho Punkte zu schauen. Vermutlich habe ich das bis jetzt in jedem Beitrag erwähnt; westliche Anatomie und traditionelle chinesische Medizin. Beide haben ihre Berechtigung und ermöglichen unterschiedliche Fokusse. Wenn wir über einzelne Punkte sprechen, nutzen wir meistens einen medizinisch-westlichen Ansatz (Anatomie und Physiologie). Wir beschreiben die Körperstruktur und sehen uns die Nerven an. 

Diese Sicht kommt jedoch ganz schnell an ihre Grenzen, wenn wir die Verbindung mehrerer Punkte suchen und beschreiben wollen. Darum ist es an dieser Stelle hilfreich, sich der Sprache und Beschreibungen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) zu bedienen. Der Grund hierfür ist, dass die Symbolsprache orientalischer Medizin Beziehungen zwischen Dingen herstellt. Dieses in Beziehung setzen, lässt sich auf die Kyusho Punkte anwenden, womit wir in der Lage sind unsere Techniken zu analysieren und schlussendlich zu verbessern.

Lehre der Meridiane als grundlegendes Prinzip

Dabei fließt innere Energie (Chi) durch spezifische Kanäle, die Meridiane. Auf diesen Meridianen liegen unsere Pressure Points. Diese kann man als Tore ansehen, über welche sich die Energie, innerhalb der Meridiane beeinflussen lässt. 

Insgesamt gibt es 12 Meridiane, welche mit konkreten Organen assoziiert werden. Diese „Organe“ sind dabei nur teilweise anatomisch korrekt, ein Teil bildet eher Funktionen oder Zwecke im Körper ab (bspw. Dreifacher Erwärmer). Darüber hinaus gibt es noch 8 Meridiane, die nicht mit einem Organ assoziiert werden, wobei zwei dieser Meridiane nur über ein Pressure Point Set verfügen. Aufgabe dieser Meridiane ist die innere Verbindung der Organ-Meridiane.

Um die Wirkung des Prinzips zu verdeutlichen, hilft oft ein Beispiel. Zuvor noch; das Prinzip der Meridiane soll erklären, warum es sich lohnt, Punkte entlang eines gleichen Meridians anzugreifen.

Schaue ich mir in diesem Fall Magen 4 an, so sitzt der Punkt am Mundwinkel am Ende der nasolabialen Vertiefung (grob wo bei einem Mann der Moustache endet). Anatomisch befindet sich hier ein Endzweig des Buccal Nervs. Um den Punkt zu aktivieren, kann dieser mit dem Daumen nach innen und oben gedrückt werden. Da Resultat ist ein mäßiger Schmerz, und der Kopf dreht sich reflexartig vom Druckschmerz weg.

Ein weiterer Punkt des Magen Meridians ist Magen 12. Dieser liegt hinter dem Schlüsselbein am Kopf der Clavicula beim großen Kopfwendemuskel. Magen 12 steht im Zusammenhang mit dem supraklavikulärer Nerv.  Eine weitere Besonderheit ist die Bedeutung in der Akupunktur. Magen 12 ist ein Überschneidungspunkt, wo sich vier weitere Meridiane überlagern. Zur Aktivierung hakt man sich hinter das Schlüsselbein und gräbt sich mit den Fingern hinein, um Magen 12 gegen das Schlüsselbein zu pressen. Als Resultat erhält man einen starken Schmerz, dem der Körper jedoch einigermaßen gut widerstehen kann.

Jetzt kommt das Prinzip der Meridiane zum Einsatz. 

Wenn wir die Punkte isoliert betrachten, haben wir zwei mäßig gute Stellen, deren Reaktion nicht sonderlich ergiebig sind. Doch in Kombination entsteht ein entsetzlicher Schmerz, dem man nur schwer widerstehen kann. Man beginnt mit der Aktivierung von Magen 4. Sobald der Kopf sich anfängt zu drehen, kommt Magen 12 zum Einsatz und man bearbeitet beide Punkte weiter zeitgleich.

Durch die Störung des Meridian Flusses werden alle Punkte dieses Meridians geschwächt. Dies liegt daran, dass zum einen ein Tor (Kyusho Punkt) blockiert wird und zum anderen daran, dass der restliche Meridian seine Energie zur Unterstützung in diesen Punkt sendet. Dadurch entsteht eine energetische Lehre in allen anderen Punkte des Meridians. 

Anhand der Körperreaktionen lässt sich ebenfalls beschreiben, warum diese Kombination gut funktioniert. Durch die Drehung des Kopfes vom Schmerz weg, streckt sich der Kopfwendemuskel und dehnt so die nervlichen Strukturen. Dadurch wird Magen 12 viel anfälliger. Auch unterstützt der Partner unfreiwillig die Aktivierung beider Punkte, da er sich entgegen des Schmerzes bewegen möchte, aber leider der Angriff in entgegengesetzte Richtungen erfolgt. Ein echter Teufelskreis.

Danke, dass Du bis hierhin durchgehalten hast. Ich hoffe, das Prinzip der Meridiane ist dir unter den verschiedenen Perspektiven etwas klarer geworden. Achja, ein weiteres tolles Beispiel wäre die Kombination von Lunge 8 und Lunge 5. Falls Du dich daran mal probieren möchtest, bin ich auf deine Erfahrungen gespannt.

Jetzt wünsche ich euch allen noch eine schöne Trainingswoche.

Insight Kyusho 

by Basty

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